Notizen aus dem Bau-Workshop in der Tafelkirche Heilige Familie, 22.–25. Juli 2026
Vier Tage lang haben wir in der Heiligen Familie in Oberhausen-Lirich geputzt, gemessen, gesägt, geschliffen, gestrichen, gebohrt und gehämmert. Vier Tage lang ist aus Holz, Skizzen und ziemlich vielen Diskussionen ein Pavillon geworden. Und ehrlich gesagt: Wir sind ziemlich stolz auf das Ergebnis.
Erst zuschauen, dann bauen
Angefangen haben wir nicht mit dem Akkuschrauber, sondern mit den Händen in den Taschen. Am ersten Tag waren wir bei der Ausgabe der Oberhausener Tafel dabei – nicht als Bauteam, sondern als Beobachtende und als Helfende. Wir wollten verstehen, wie ein Ausgabetag hier tatsächlich abläuft: Wo kommen die Lebensmittel an? Welche Wege nehmen die Paletten und Hubwagen durch den Kirchenraum? Wo bilden sich Warteschlangen, wo staut es sich, wo wird es eng?
Was wir dabei gelernt haben, hat unseren Entwurf mehr verändert als jede Skizze davor. Die Arbeit bei der Tafel ist körperlich hart, sie ist eng getaktet, und sie funktioniert nur, weil sehr viele Ehrenamtliche sehr verlässlich da sind. Für unsere Teilnehmenden – die meisten von ihnen Jugendliche aus der Stadt – war dieser Tag der eigentliche Beginn des Workshops: Bauen heißt hier nicht, ein Objekt in einen Raum zu stellen. Es heißt, sich in einen Raum einzufügen, der schon eine Choreografie hat.
For four days we cleaned, measured, sawed, sanded, painted, drilled and hammered in the Heilige Familie church in Oberhausen-Lirich. For four days, wood, sketches and a fair amount of arguing turned into a pavilion. And honestly: we are pretty proud of it.
First watch, then build
We didn't start with a cordless drill. We started with our hands in our pockets. On the first day we joined the food distribution of the Oberhausener Tafel – not as a building crew, but as observers and as helpers. We wanted to understand how a distribution day actually works here: where do the goods arrive? Which routes do the pallets and trolleys take through the church? Where do the queues form, where does it get tight?
What we learned there changed our design more than any sketch had before. The work at the Tafel is physically hard, tightly timed, and it only functions because a lot of volunteers show up reliably. For our participants – most of them young people from the city – that day was the real beginning of the workshop: building here doesn't mean placing an object in a room. It means fitting into a room that already has its own choreography.
Die Aufgabe
Unsere Aufgabe war ein Stück Kleinarchitektur mit ziemlich vielen Anforderungen auf einmal:
- Bühne und Rahmen für kleine Veranstaltungen – Konzerte, Kochevents, Yoga, Lesungen, Kinoabende – und damit mehr Aufmerksamkeit für die Tafel und für dieses schöne Kirchengebäude aus den 50er-Jahren.
- Nutzbar auch dann, wenn nichts stattfindet. Ein Ort zum Hinsetzen in der Pause, für Ehrenamtliche wie für Besucher:innen.
- Stauraum. Kisten sollen oben abgestellt werden können, Paletten und Hubwagen zumindest teilweise darunter Platz finden.
- Im Weg stehen: verboten. Die Wege der Ausgabe mussten frei bleiben.
- Auffallen. Etwas, das Neugier macht, wenn man vorbeigeht. Etwas, das einlädt.
- Schatten gegen die Nachmittagssonne – und später umbaubar, sodass Gelagertes vollständig überdacht und vor Wetter geschützt werden kann.
Vier Tage Handwerk
In den vier Tagen haben wir nicht nur hart gearbeitet – wir hatten auch sehr viel Spaß. Wir haben gelernt, mit Holz zu arbeiten und wie richtige Handwerker:innen zu denken: zweimal messen, einmal sägen. Vorbohren. Erst ausrichten, dann festziehen.
Nebenbei ist etwas passiert, das man nicht in den Bauplan schreiben kann: Wir haben uns kennengelernt. Untereinander, und mit den Menschen von der Tafel. Zwischen Kaffeepausen, geliehenen Werkzeugen und „könnt ihr da mal kurz mit anfassen?" ist eine Verbindung entstanden, die uns wichtiger ist als jede saubere Gehrung.
The task
Our task was a piece of small architecture with quite a lot of demands at once:
- A stage and a frame for small events – concerts, cooking events, yoga, readings, cinema evenings – and with them, more attention for the Tafel and for this beautiful 1950s church building.
- Usable even when nothing is happening. A place to sit down during a break, for volunteers and visitors alike.
- Storage. Crates should sit on top; pallets and trolleys should at least partly fit underneath.
- No blocking. The distribution routes had to stay clear.
- Presence. Something that sparks curiosity when you walk past. Something that invites you in.
- Shade against the afternoon sun – and rebuildable later, so stored goods can be fully covered and protected from the weather.
Four days of craft
In those four days we didn't only work hard – we also had a lot of fun. We learned to work with wood and to think like proper Handwerker:innen: measure twice, cut once. Pre-drill. Align first, tighten after.
And something happened along the way that you can't put in a construction plan: we got to know each other. Among ourselves, and with the people from the Tafel. Between coffee breaks, borrowed tools and "can you hold this for a second?", a connection started to grow that matters more to us than any clean mitre joint.
Und jetzt?
Der Pavillon steht. In den kommenden Monaten der Manifesta 16 wird er zeigen, was er kann – bei Kochworkshops, gemeinsamen Essen und Veranstaltungen in der Tafelkirche. Und danach, so hoffen wir, bleibt er der Tafel als Möbel, Bühne, Lager und Sitzplatz erhalten. Länger als die Biennale.
Wir können es kaum erwarten, ein weiteres Bauworkshop zu halten.
Bau-Workshop-Leitung: Petra Jablonická (M. A. Architektur) & Pax Grünsch (Designer), kitev – Kultur im Turm e. V.
Ein Projekt des Manifesta 16 + Programms in Kooperation mit der Oberhausener Tafel e. V. Tafelkirche Heilige Familie, Gustavstraße 54, 46049 Oberhausen
What's next?
The pavilion is standing. Over the coming months of Manifesta 16 it will show what it can do – at cooking workshops, shared meals and events in the Tafelkirche. And after that, we hope, it stays with the Tafel as furniture, stage, storage and seat. Longer than the biennial.
We can hardly wait to start building the next thing.
Building workshop led by Petra Jablonická (M. A. Architecture) & Pax Grünsch (designer), kitev – Kultur im Turm e. V. A project of the Manifesta 16 + Programme in cooperation with Oberhausener Tafel e. V. Tafelkirche Heilige Familie, Gustavstraße 54, 46049 Oberhausen