01.02.2023

Rosh Zeeba - Hezār Afsān

Zu Beginn des Jahres 2023 können wir Rosh Zeeba (roshzeeba.com) als Künstler:in in unserem Residenzprogramm in Oberhausen begrüßen.

Geboren in Teheran, erarbeitet Zeeba für die Ausstellung „Hezār Afsān - A Thousand Tales“ in der Unterhaus-Galerie multidirektionale Narrative und eröffnet einen Ort der (iranischen) Queerness, des dekonstruierten Ornamentalismus und der dekolonialen Praxis. Sie beschäftigt sich mit der aktuellen Situation im Iran und beschreibt ihre Themen als „zerrissene Fäden, Erinnerung und Träume, Geister und intergenerationales Trauma, iranische Mythologie und sanftes World-Building.“

Von Beginn ihres Aufenthaltes in Oberhausen an, geht es ihr darum, den Ort und die Menschen kennen zu lernen: „Es geht mir darum, die Atmosphäre des Orts besser zu verstehen und auf Augenhöhe mit Menschen, ob selbst künstlerisch aktiv oder nicht, in Kontakt zu kommen. Da in den kitev-Projekten aber auch in der Wohnumgebung viele Menschen mit Fluchterfahrung wohnen, fanden wir schnell gemeinsame Themen und Perspektiven auf Erinnerung, Verlust, kulturelle Symbole und deren Einbettung/Instrumentalisierung in der deutschen, weißen Mehrheitsgesellschaft.“

Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Recherche sind die Themen „Storytelling“, Orientalismus und Misogynie. Bei 3 kleinen Showings stellte sie ihre Recherche Menschen vor, die sie in Oberhausen kennen gelernt hatte: „Ich erzählte von meinen Überlegungen, zeigte Objekte oder präsentierte kurze Entwürfe für Performances. Insbesondere über den Zugang über Geschlecht und insb. Misogynie konnten wir gemeinsam über die trans-generationalen Traumata sprechen, die eine patriarchale Gesellschaft den Menschen zufügt.“

Es entstehen erste bildnerische Entwürfe und situative Neu-Bearbeitungen von Archiv-Material. Daraus entwickeln sich sowohl für die Abschluss-Ausstellung in der Unterhaus-Galerie, als auch für die Projektion auf den kitev-Turm digitale Collagen und filmische Montagen. „Ich hatte – inspiriert von den Gesprächen und der Rückmeldung – mich entschieden das Thema `verlorene Geschichten´ in den Mittelpunkt der Ausstellung zu stellen. Dabei zeigte sich, dass die von mir entwickelten Bilder und die Themen im dem metonymischen Gehalt der `Erzählungen aus 1001 Nächten´ (iran. `Hezār Afsān´) aufgehen.“

Aus Audio-Mitschnitten und Notizen der Gesprächs- und Recherchephasen entsteht ein lyrischer Text. Mit ihrem Team und Ehrenamtlichen aus dem Kitev Umfeld dreht Rosh kleine Filmszenen und macht Audio-Aufnahmen in der Unterhaus-Galerie, aus denen die Performance „Ghosts Of Misogyny“ entsteht.

Die Ausstellung ist ein Erfolg für Rosh Zeeba und erreicht an nur einem Wochenende etwa 120 Besucher*innen. Auch die Vernetzung ins Ruhrgebiet wird durch Folgeaufträge nachhaltig gestärkt. Im Rahmen ihrer Residenz knüpft Zeeba Kontakte zum Makroscope in Mülheim und realisiert dort – in Kooperation mit Xenia Ende – das erste „Forum für emanzipatorische und experimentelle Videokunst“ (FEEVA / www.feeva.net): „Wir konnten auch zwei Filmemacher*innen, die ich im Rahmen der Residenz kennen gelernt hatte, ermutigen ihre Arbeiten einzureichen; beide wurden bei FEEVA gezeigt.“

Normalerweise auf internationalen Festivals unterwegs, freut sich Rosh Zeeba, ihre Kunst im Ruhrgebiet zu zeigen. Ein Teil der Arbeiten wird auch im Laufe des Jahres noch im öffentlichen Raum zu sehen sein und beispielsweise auf den Oberhausener Bahnhofsturm projiziert, oder als Live-Performance bei weiteren Veranstaltungen präsentiert.

Die Residenz und die Veranstaltungen werden gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft im Programm Neue Künste Ruhr.