kitev

bi`bak: Bitter Things

BITTER THINGS – Narrative und Erinnerungen transnationaler Familien

 

BITTER THINGS ist ein forschungsbasiertes Ausstellungsprojekt von bi’bak, das die Auswirkungen von Arbeitsmigration auf Mutterschaft und Familie aus der Perspektive von Arbeitsmigrantinnen und ihren Kindern untersucht. Ausgehend von Erfahrungen transnationaler Familien aus Vergangenheit und Gegenwart bringt die Installation Erzählungen mit Objekten zusammen, die in den Familien eine zentrale Rolle spielen.

Arbeitsmigration führt weltweit zu neuen Modellen der transnationalen Familie, die trotz geografischer Trennung versucht, ihren familiären Kontakt aufrechtzuerhalten. In der Zeit der Anwerbeabkommen in den 1960er Jahren waren viele Eltern gezwungen, ihre Kinder zurückzulassen. Zu vereinnahmend waren die Arbeitszeiten, um die Kinderbetreuung nebenher möglich zu machen. Heute sind es vorwiegend Arbeitsmigrant*innen aus Osteuropa, die ihre Familien verlassen, um in ökonomisch besser gestellten Ländern ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Auch die Türkei als einstiges Emigrationsland ist heute zum Ziel für zahlreiche Arbeiter*innen vor allem im Bereich der Pflege aus Osteuropa, dem Kaukasus oder dem zentralasiatischen Raum geworden.

Doch wie definiert sich das Verhältnis von Eltern und Kindern neu, wenn Geschenke und materielle Unterstützung an die Stelle von gemeinsamem Erleben treten? Wenn körperliche Nähe hinter Kommunikationsprogrammen wie Skype und WhatsApp zurücktreten muss? Wie ergeht es dabei den Kindern und wie ihren Eltern? BITTER THINGS versammelt Positionen zum Thema von den 1960er Jahren bis heute.

Zur Ausstellung ist ein Buch mit wissenschaftlichen und literarischen Beiträgen, Interviews, Liedern und Fotos erschienen, die das Thema interdisziplinär beleuchten. Nachdem die Ausstellung in Istanbul, Berlin und Köln gezeigt wurde, hat nun kitev BITTER THINGS nach Oberhausen eingeladen. Parallel zur Ausstellung findet im Oberhaus ein Begleitprogramm mit Filmvorführungen und Diskussionen statt.

 

BITTER THINGS - Narratives and Memories of Transnational Families


BITTER THINGS is a research-based exhibition project by bi’bak that explores the impact of labour migration on the notion of motherhood and family from the perspectives of women migrant workers and their children left behind. The installation takes experiences of transnational families from both past and present as a point of departure, bringing narratives together with objects that play a central role within the families.

Labour migration is worldwide creating new models of the transnational family, which despite geographical distances strives to maintain contact between the separated family members. In the time of the recruitment agreements in the 1960s, many parents were forced to leave their children behind since working hours were too demanding to make childcare on the side possible. Today, it is predominantly migrant workers from Eastern Europe, who have to leave their families to earn a living in wealthier countries. Turkey, as a former country of emigration, has in turn become a destination for many workers, especially in the care sector, from Eastern Europe, the Caucasus or the Central Asian region.


Yet, how is the relationship between parents and children to be redefined whenever gifts and material support take the place of shared experience? When physical closeness has to take second place to communication programmes like Skype and WhatsApp? How does this changing family landscape impact children and their parents? BITTER THINGS retraces positions on this topic from the 1960s right up to present day perspectives.

Accompanying the exhibition is a publication with academic and literary contributions, interviews, songtexts and images examining the topic from interdisciplinary perspectives. After exhibiting in Istanbul, Berlin and Cologne, kitev has now invited BITTER THINGS to Oberhausen. Alongside the exhibition, a side programme with films and panel discussions will be held in Oberhaus.

 

Fotos von Henning Rogge / Urbane Künste Ruhr

Ausstellungsort:

Kitev, Oberhaus, Oberhausen: 03.05.2019 - 30.06.2019

 

Ausstellungsort / Location: kitev / Oberhaus, Friedrich-Karl-Straße 4, 46045 Oberhausen

Eröffnung / Opening: 03.05.2019 um 19:00 Uhr

Ausstellungsdauer / Exhibition: 04.05.2019 - 30.06.2019

Öffnungszeiten / Opening hours: Mo geschlossen, Di, Mi, So 11-18 Uhr, Do, Fr, Sa 11-20 Uhr

 

 

Team

 

Konzept und Künstlerische Leitung / Concept and Artistic Direction: Malve Lippmann, Can Sungu

Ausstellungsdesign / Exhibition Design: Malve Lippmann

Redaktion, Forschung / Editing, Research: Maike Suhr

Projektassistenz / Project Assistants: Megan Black, Zeynep Dişbudak, Esra Akkaya

Grafikdesign / Graphic Design: Jan Grygoriew

Öffentlichkeitsarbeit / Communication Coordinator: Selim Özadar

Kontakt / Contact: presse@bi-bak.de

bi’bak, Prinzenallee 59, 13359 Berlin

 

Ein Projekt von  / A project by  bi’bak in Kooperation mit / in cooperation with kitev (Oberhausen), Archive books (Berlin), DEPO (Istanbul) und / and DOMiD – Museum und Dokumentationszentrum für die Migration in Deutschland (Köln).

 

Gefördert durch / Funded by: Urbane Künste Ruhr, Stiftung Kultur und Bildung der Stadtsparkasse Oberhausen und Vonovia SE

 

bi’bak (Türkisch: Schau mal) ist ein Kollektiv und Projektraum mit Sitz in Berlin, mit einem Fokus auf transnationale Narrative, Migration, globale Mobilität und ihre ästhetischen Dimensionen. Das interdisziplinäre Programm von bi'bak bewegt sich an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Gemeinschaft und umfasst Filmvorführungen, Ausstellungen, Workshops sowie Musikveranstaltungen und kulinarische Exkursionen.

 

bi’bak (Turkish: have a look) is a non-profit organization and project space based in Berlin, with a focus on transnational narratives, migration, global mobility and their aesthetic dimensions. bi’bak’s programme examines diverse disciplines in art, academics, and community development, including film screenings, exhibitions, workshops as well as music events and culinary excursions.

kitev (Kultur im Turm e.V.) arbeitet als Labor, Künstlerkollektiv und Schaltstelle für regionale und internationale Kunstprojekte, mit Sitz im Wasserturm des Oberhausener Hauptbahnhofs. Der Turm ist eine Anlaufstelle für projektbedingte Aufenthalte in der Region, sowie eine Keimzelle für Aktionen von hoher künstlerischer Qualität. Die Projekte der Gruppe basieren auf Selbstermächtigung. Sie sind interdisziplinär angelegt und setzten sich intensiv mit den sozialen und städtebaulichen Gegebenheiten vor Ort auseinander, oft über lange Zeiträume hinweg.

 

kitev (Culture in the Tower e.V.) based in the water tower of Oberhausen's main railway station, works as a laboratory, artist collective and hub for regional and international art projects. The tower is a contact point for project-related stays in the region, as well as a nucleus for actions of high artistic quality. The group's projects are based on self-empowerment. They are interdisciplinary and deal intensively with the social and urban conditions on site, often over long periods of time.

 

Programm:

Freitag, 03.05.2019 um 19 Uhr im Oberhaus

ERÖFFNUNG:

BITTER THINGS - Narrative und Erinnerungen transnationaler Familien

 

Grußworte / Welcome kitev

Einführung / Introduction by bi’bak

Imbiss und Getränke / Snacks and Drinks

 

Freitag, 03.05.2019 um 20 Uhr im Oberhaus

MOTHERING FROM AFAR - KURZFILMPROGRAMM

Loin du 16ème | Far from the 16th, Daniela Thomas, Frankreich 2006, 5 min.

Calea Dunării | The Course of the Danube, Sabin Dorohoi, Rumänien 2013, 13 min. OmeU

媽媽離家上班去 | Homecoming, Kwok Zune, Hong Kong 2009, 30 min. OmeU

Hasta Bakıcı | Abigail, Soner Sert, Türkei 2017, 17 min. OmeU

Kot Farkı | Ground Level, Ayris Alptekin, Türkei 2016, 11 Min. OmeU

 

Das Kurzfilmprogramm nimmt die Lebens- und Arbeitsbedingungen von migrantischen Arbeiter*innen in ganz unterschiedlichen Ländern in den Blick und thematisiert die schwierigen Umstände, unter denen Frauen versuchen, eine Zukunftsperspektive für ihre im Heimatland zurückgelassenen Kinder zu erringen. Loin du 16ème/ Weit vom 16. Bezirk zeigt eine spanische Migrantin in Paris, die ihr eigenes Baby in aller Frühe in einer Tagespflege abgibt, um in ihrem Job das Baby reicher Leute zu betreuen. Ein zehnjähriger Junge folgt dem Calea Dunării / Der Lauf der Donau von Rumänien bis nach Wien, um seine Eltern dort zu finden. Die Kinderfrau Charlie bereitet nach jahrelanger Arbeit in Hongkong die langersehnte Homecoming / Heimkehr zu ihrem Sohn vor, aber plötzlich treten unerwartete Probleme auf. Hasta Bakıcı / Krankenpflegerin und Kot Farkı / Höhenunterschied thematisieren den Arbeitsalltag von Altenpflegerinnen in Istanbul.

The short film programme focuses on the living and working conditions of women migrant workers in very different countries and discusses the difficult circumstances in which women seek to gain a future for their children left behind in their countries of origin. Loin du 16ème / Far from the 16th shows a Spanish immigrant in Paris who gives her own baby to a daycare early in the morning to look after the baby of a rich family for her job. A ten-year-old boy follows the Calea Dunării / The Course of the Danube from Romania to Vienna to find his parents. The nanny Charlie, after years of work in Hong Kong, is preparing for the long-awaited Homecoming to her son, but suddenly unexpected problems arise. Hasta Bakıcı / Abigail and Kot Farkı / Ground Level address the everyday work of care-givers in Istanbul.

 

Freitag, 10.05.2019 um 20 Uhr im Oberhaus

MELLOW MUD

Renārs Vimba, Lettland 2016, 105 min. OmdU

Niemand darf vom Tod ihrer Großmutter erfahren. Um der staatlichen Fürsorge zu entgehen, vergraben die 17-jährige Raya und ihr kleiner Bruder die Frau, bei der sie aufgewachsen sind, im Garten der heimischen Apfelplantage. Raya organisiert alleine das tägliche Überleben für sich und ihren Bruder und setzt alle Hoffnung in die nach England ausgewanderte Mutter.

Nobody shall know about the death of their grandmother. In order to escape the state's care, the 17-year-old Raya and her little brother bury the woman they grew up with in the garden of the local apple orchard. Raya alone organizes the daily survival for herself and her brother and puts all hope in the mother who emigrated to England.

 

Freitag, 24.05.2019 um 20 Uhr im Oberhaus

WAITING FOR AUGUST

Teodora Ana Mihai, Romania, Belgien, 2014, 88 min. OmeU

Georgiana wird bald 15 und kümmert sich alleine um ihre sechs jüngeren Geschwister. Die sieben Kinder leben gemeinsam in Rumänien, während ihre Mutter in Italien arbeitet. Die älteste Schwester kocht, sie räumt auf und versucht Zeit zu finden, um selbst für die Schule zu lernen. Im August soll die Mutter endlich zurückkommen.

Georgiana will soon turn 15 and is taking care of her six younger siblings. The seven children are living together in Romania while their mother works in Italy. The oldest sister cooks, cleans and on the side tries to find time for studying. In August their mother shall return.

 

Freitag, 07.06.2019 um 20 Uhr im Oberhaus

STO SPITI | ZUHAUSE

Athanasios Karanikolas, Griechenland, 2014, 103 min. OmdU

Nadja lebt seit vielen Jahren als Haushälterin bei einer wohlhabenden Familie der griechischen Oberschicht. Mit dieser Arbeit finanziert sie die Ausbildung und den sozialen Aufstieg ihrer eigenen Tochter. Sie darf sich als Teil der Familie fühlen. Als man bei Nadja eine schwere Krankheit diagnostiziert und der Hausherr im Zuge der Wirtschaftskrise in finanzielle Schwierigkeiten gerät, beginnt das Gefüge zu wanken.

Nadja has worked for many years as a housekeeper for a wealthy family of the Greek upper class. With her work she finances the education and the social advancement of her own daughter. She is encouraged to feel like a part of the family. When Nadja is diagnosed with a serious illness and the employer is facing financial difficulties in the wake of the economic crisis, the situation begins to collapse.

 

Donnerstag, 20.06.2019 um 20 Uhr im Oberhaus

FAMILY BUSINESS

Christiane Büchner, Deutschland 2015, 85 min. OmdU

Die 88-jährige Anne regiert ihr Leben in Bochum vom Sofa aus. Vor kurzem ist ihr Mann gestorben. Er hatte im Alltag gekonnt überspielt, was nun für die Töchter erschreckend deutlich wird: Anne kann nicht mehr alleine leben. Jowitas Familie wohnt im polnischen Lubin seit Jahren in der Baustelle ihres Hauses. Es fehlt an Geld, Jowita braucht dringend Arbeit. Zwei Familien, die eine scheinbar perfekte Win-win-Situation zufällig zusammenführt. FAMILY BUSINESS stellt diese beiden Familien einander gegenüber. Ohne simple Zuschreibungen folgt der Film der Spur der Ökonomie tief in den Alltag dieser Familien hinein.

The 88-year-old Anne spends her life in Bochum stuck on the sofa. Recently, her husband has died. He had skilfully provided everything for her daily life, which means one thing is now terribly clear for the daughters: Anne can not live alone. Over in the Polish Lubin, Jowita's family has been living for years in the construction site of their house. Lacking money, Jowita desperately needs work. These two families appear to coincidentally bring about a seemingly perfect win-win situation. FAMILY BUSINESS juxtaposes these two families. Without simple attributions, the film follows the trail of economics that invades deep into the everyday lives of these families.

 

Donnerstag, 27.06.2019 um 19 Uhr im Oberhaus

BITTER THINGS IM OBERHAUS

Führung durch die Ausstellung und Gespräch

Begleiten Sie uns ins Oberhaus zu einer Führung durch die Ausstellung BITTER THINGS - Narrative und Erinnerungen transnationaler Familien. Die Kurator*innen Malve Lippmann und Can Sungu geben Einblicke in die Entstehung des Projektes sowie in den Kontext transnationaler Familien, die aufgrund von Arbeitsmigration getrennt voneinander leben.

Nach der Tour wird ein Gespräch mit den künstlerischen Leitungsteams von kitev (Agnieszka Wnuczak und Christoph Stark) und bi‘bak (Malve Lippmann und Can Sungu) stattfinden.

Join us at the Oberhaus for a guided tour through the exhibition BITTER THINGS - Narratives and Memories of Transnational Families. The curators of the exhibition will give insights about the process of the project, as well as background information about the notion of transnational families separated by labour migration. After the tour there will be a talk with the artistic directors of kitev (Agnieszka Wnuczak and Christoph Stark) and bi’bak (Malve Lippmann and Can Sungu).


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