20.07.2026

Auf Werkstatttour Teil 2: Offenen Werkstätten und Materialinitiativen in Berlin

Oldenburg, Hamburg, Berlin, Dresden, Erlangen — fünf Städte, fünf sehr unterschiedliche Orte, an denen Menschen Dinge reparieren, Materialien sammeln und Wissen über die Kreislaufgesellschaft teilen. Im Rahmen des Projekts Lokale Ressourcenzentren (LoRe), das kitev, Fraunhofer UMSICHT und die Stadt Oberhausen gemeinsam mit der anstiftung umsetzen, haben sich Robert und Annkathrin als Teil einer Exkursionsgruppe aufgemacht, um etwas über Ressourcenzentren zu lernen. Zentrale Fragen waren: Was ist ein Ressourcenzentrum überhaupt? Wie funktionieren sie? Und was können wir daraus für ein Ressourcenzentrum im Supermarkt der Ideen lernen?

In den nächsten Wochen werden wir euch in unterschiedlichen Blogposts zeigen, was andere Offene Werkstätten und Materialinitiativen auszeichnet. Gestartet sind wir in Norddeutschland und in diesem Blogpost in Berlin.

Foto: Hanseatische Materialverwaltung © Stadt Oberhausen. Fotografin: Marga Dresen

Was wir gesehen haben — und wie wir es gesehen haben

Berlin

Im zweiten Blogpost über unsere Reise zu Offenen Werkstätten und Materialinitiativen in ganz Deutschland berichten wir aus Berlin. Die Hauptstadt bot uns als dritter Stopp unserer Reise — erwartungsgemäß — Vielfalt. Wir besuchten Orte, die sich als Teil einer dezentralen Open-Source-Kreislaufwirtschaft verstehen, aber auch städtische Eigenbetriebe. Reststoffe aus der Industrie finden den Weg in gemeinnützige Projekte, Upcycling wird nicht als Hobby, sondern als ernsthafte Antwort auf die Frage behandelt, wie Materialien länger in Nutzung bleiben können. Gleichzeitig zeigte sich, wie fragil solche Projekte sind: Raumfragen, Förderlogik, Erschöpfung der Aktiven — alles Themen, auf die es trotz langer Kenntnis immer noch keine Antwort gibt.

Die NochMall ist ein 2.500 m² großes Secondhand-Kaufhaus, das als Tochtergesellschaft der Berliner Stadtreinigung (BSR) mit 42 Mitarbeitenden am Laufen gehalten wird. Die NochMall zeigt erfolgreich, was passiert, wenn Ressourcenkreisläufe in kommunale Strukturen eingebettet werden. Vorteile sind dabei eine hohe Skalierbarkeit, effektive Logistik und Sicherheitsprüfungen. Allerdings steht die Unternehmung unter einem hohen Wirtschaftlichkeitsdruck.

NochMall Secondhand-Kaufhaus
Foto: © Stadt Oberhausen. Fotografin: Marga Dresen

Der Kreisler war das kompakteste Werkstattmodell unserer Tour: ein 60 m² Laden in einem kleinen Einkaufszentrum in der Neuköllner Gropiusstadt, der Reparieren, Ausleihen und Treffen kombiniert. Finanziert wurde das Geschäft durch Jahresmitgliedschaften, freiwillige Reparaturspenden und Mietfreiheit in einer Immobilie der landeseigenen Wohnungsgesellschaft DEGEWO. Bemerkenswert ist das Abgabe-Modell des Kreislers: Geräte können selbst repariert oder zum Reparieren abgegeben werden, was Berufstätige erreicht, die ein klassisches Repair-Café zeitlich nicht nutzen können. Das Motto „Jedem Kiez sein Kreisler“ rückt näher, da weitere Standorte des Projektes in den Stadtteilen Kreuzberg und Prenzlauer Berg auf den Weg gebracht wurden.

Kreisler Werkstatt-Laden im Einkaufszentrum in der Neuköllner Gropiusstadt
Foto: © Stadt Oberhausen. Fotografin: Marga Dresen
Im Ladenlokal von der Werkstatt Kreisler
Foto: Robert Jende

Das Haus der Materialisierung ist ein soziokulturelles Experiment in Berlin-Mitte, im Schatten des Hauses der Statistik am „Allesandersplatz“. Materialmarkt, Textilwerkstatt, Holzwerkstatt und Jugendarbeit sind unter einem Dach vereint — und stehen gerade durch hohe Zwischenmieten erheblich unter Druck. Was hier besonders deutlich wird: Selbst gut vernetzte, stadtpolitisch sichtbare Projekte können durch die Langwierigkeit großer partizipativer Stadtentwicklungsprozesse in ihrer Existenz bedroht sein. Die Quintessenz: Orte einer Kreislaufgesellschaft brauchen langfristige Unterstützung, um engagierte Akteur*innen und Initiativen nicht zu verlieren.


Titelfoto: „Haus der Materialisierung“ ist ein soziokulturelles Experiment in Berlin-Mitte
© Stadt Oberhausen. Fotografin: Marga Dresen

Foto: Kreisler, Werkstatt und Repair-Café in der Neuköllner Gropiusstadt. Fotograf: Robert Barbarino

Im nächsten Blogpost berichten wir über unsere Erlebnisse in Dresden und Erlangen. Stay tuned!