Auf Werkstatttour: Was wir von Offenen Werkstätten und Materialinitiativen in fünf Städten gelernt haben
Oldenburg, Hamburg, Berlin, Dresden, Erlangen — fünf Städte, fünf sehr unterschiedliche Orte, an denen Menschen Dinge reparieren, Materialien sammeln und Wissen über die Kreislaufgesellschaft teilen. Im Rahmen des Projekts Lokale Ressourcenzentren (LoRe), das kitev, Fraunhofer UMSICHT und die Stadt Oberhausen gemeinsam mit der anstiftung umsetzen, haben sich Robert und Annkathrin als Teil einer Exkursionsgruppe aufgemacht, um etwas über Ressourcenzentren zu lernen. Zentrale Fragen waren: Was ist ein Ressourcenzentrum überhaupt? Wie funktionieren sie? Und was können wir daraus für ein Ressourcenzentrum im Supermarkt der Ideen lernen?
In den nächsten Wochen werden wir euch in unterschiedlichen Blogposts zeigen, was andere Offene Werkstätten und Materialinitiativen auszeichnet. Los geht es in Norddeutschland.
Foto: Hanseatische Materialverwaltung © Stadt Oberhausen. Fotografin: Marga Dresen

Was wir gesehen haben — und wie wir es gesehen haben
Oldenburg
Das Ressourcenzentrum Oldenburg war unsere erste Station auf der Werkstatttour. Eine wichtige Aktivität vor Ort ist die Erstbehandlung von aussortierten oder kaputten Elektroaltgeräten, die offiziell geprüft und wieder in Nutzung gebracht werden können. Über einen Kooperationsvertrag mit dem städtischen Abfallwirtschaftsbetrieb hat das Zentrum direkten Zugang zu wiederverwendbaren Geräten von den kommunalen Wertstoffhöfen.
Aufbereitete Geräte werden im Ressourcenzentrum Oldenburg nicht verkauft, sondern auf Spendenbasis weitergegeben — ergänzt durch unterhaltsame Auktionen, bei denen der Preis sinkt und Waren gezielt an Menschen mit kleinem Budget gelangen. Das Zentrum versteht sich ausdrücklich als Bildungsort, dessen Angebote von Workshops für Vorschulkinder über generationenübergreifende Reparaturprojekte bis hin zu universitären Lehrveranstaltungen reichen. Getragen wird all das von einer engen, über Jahre gewachsenen Gruppe von Aktiven in einem Verein und zwei selbstständigen Profi-Reparateuren, die ihre Dienstleistungen im Ressourcenzentrum anbieten.

Hamburg
In Hamburg besuchten wir Orte, die etwas größer denken: Materialien werden nicht nur entgegengenommen, bearbeitet und weitergereicht, sondern auch sortiert, nach Nutzbarkeit bewertet und gezielt abgegeben — an Schulen, Studierende, freie Kunst- und Kulturproduktionen, politische Projekte oder Einzelpersonen. Die Logistik dahinter ist aufwändiger, als man meinen möchte. Wer sammelt was, wann, von wem? Wer entscheidet, was gut genug ist zum Weitergeben und was in die Restmülltonne muss? Diese Fragen sind selten rein technischer Natur — sie sind immer auch soziale und politische Fragen.
Schrott bewahre beeindruckte uns durch einen konsequenten „Einfach machen!“ Ansatz: Ohne Startkapital, ohne Fläche und ohne Material gestartet, erkämpfte sich das Kollektiv Schritt für Schritt Arbeitsräume, zuletzt in der Tiefgarage eines leerstehenden, heruntergekommenen Hamburger Hochhauses. Nach einem zweijährigen Prozess entwickelte sich eine Vereinssatzung und eine Materialinitiative für gebrauchte Baustoffe von der Schraube bis zum Holzbrett. Besonders lehrreich war ihre ganz eigene „Fuck-Up-Story“, also eine Geschichte des Scheiterns: 50 Sondermaß-Türen waren zu Beginn gern gesehen, doch sie erwiesen sich als unvermittelbare Ladenhüter, die lange wertvollen Lagerplatz blockierten. Die Lektion daraus: lieber mit Bedacht auswählen und Abstand halten von Türen sowie Fenstern.
Die Hanseatische Materialverwaltung ist dagegen die professionellste und komplexeste Materialinitiative der Reise: Als gemeinnützige GmbH mit 10 Festangestellten betreibt sie seit 13 Jahren mittlerweile einen Fundus für Film-, Kultur- und Kreativproduktionen im Hamburger Oberhafen. Ihr Kernprinzip ist die Umverteilung: hochwertiges Material, das nach wenigen Einsätzen in Film- oder Theaterproduktionen entsorgt würde, landet stattdessen in der freien Kulturszene und kann geliehen werden. Existenziell unter Druck steht das Projekt durch sanierungsbedingte Mietsteigerungen.
Foto: Materialkreislaufinitiative „Schrott bewahre“ in Hamburg © Stadt Oberhausen. Fotografin: Marga Dresen